Berufskolleg Tecklenburger Land
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Berufsbezogener Religionsunterricht am Berufskolleg
Von der betrieblichen Situation über die Bibel zur modernen Konfliktforschung.

Werkstatt
 
Gehweg
Die Ausgangssituation
Lehrling Lenny hat beim Hereintragen mehrerer, schwerer Werkzeugkisten ein Schränkchen heruntergerissen, das Meister Merlin gerade ausliefern woll¬te und auf ein kleines Stehtischchen im Durchgang zur Werkstatt bereitge¬stellt hatte. Der Meister hatte das Schränkchen in der Eile so abgestellt, dass es auf der Kante des Tisches stand, so dass es leicht herabstürzen konnte.
Lehrling Lenny hatte es beim Transport der Werkzeugkisten nur leicht be-rührt, weil er dem Roller des Gesellen Georg ausweichen musste, der den Durchgang versperrte, obwohl Meister Merlin es Georg mehrfach untersagt hatte, den Roller dort abzustel¬len.
Als Lenny schon glücklich vorbei war, gab es einen Krach hinter ihm und der vom Meister abgestellte Schrank lag beschädigt auf dem Boden.
Die Fragestellung:
- Wer hat Schuld?
- Wer muss für den Schaden aufkommen?
- Welche Auswirkungen hat der Vorfall für das Verhältnis zwischen Meister, Geselle und Lehrling?

Anschließend werden in Gruppenarbeit 3 Strategien zum Umgang mit dem Konflikt erarbeitet:

Gruppe 1: Sündenbock:

„Hat er so die Entsühnung des Heiligtums, des Offenbarungszeltes und des Altars be¬endet, soll er den lebenden Bock herbringen lassen.
Aaron soll seine beiden Hände auf den Bock legen und über ihm alle Sünden der Isra¬eliten, alle ihre Frevel und alle ihre Fehler bekennen. Nachdem er sie so auf den Kopf des Bockes geladen hat, soll er ihn durch einen bereitstehen-den Mann in die Wüste treiben lassen, und der Bock soll alle ihre Sünden mit sich in die Einöde tragen.“ (Aus dem Buch Levitikus 16, 20-22
Geschrieben um 550 v. Chr.; der Text bezieht sich auf eine Zeit um 1250 v.Chr.)

Ursprünglich war dieses Ritual dazu gedacht, in einer Gemeinschaft nicht mehr nach¬tragend zu sein, und sich gegenseitig die Schuld zu vergeben, um die Beziehun¬gen untereinander unvoreingenommen neu gestalten zu können.
Leider wurde dieses Ritual im Laufe der Geschichte häu¬fig falsch verstanden und aus¬gelegt. Ein oder einige Mitglieder einer Gemeinschaft, häufig diejenigen, die am we¬nigsten zu sagen hatten, wurden zum „Sündenbock“ gemacht.

Gruppe 2: Vater unser

„und vergib uns unsere Schuld, wie auch wir vergeben un¬seren Schuldigern“ 

In den biblischen Geschichten des Alten Testaments bedeu¬tet Schuld meist die Abwe¬senheit von Gott. Wer nicht mehr an Gott glaubt und seine Gebote nicht hält, der macht sich schuldig. Im Neuen Testament legt Jesus die Betonung wie¬der neu auf die Frage der Schuld: Gott liebt alle Menschen. Sie sind Gottes Geschöpfe. Wer andere Menschen nicht liebt, wer bewusst andere beleidigt, erniedrigt, verletzt oder schlecht behandelt, der macht sich schuldig. Die Bitte um Schuldenvergebung vor Gott richtet sich also danach, wie ich selbst andern Menschen vergeben kann.

 

Gruppe 3: Offene Lösung (nach Friedemann Schulz von Thun)

„Kommunikationsstörungen sind häufig das Ergebnis von Missverständnissen, weil jede Äußerung mehrdeutig ist. Es gibt Kommunikationsregeln, die für ein gelingendes Miteinander hilfreich sind:

 

- respektvoll und wertschätzend miteinander umgehen
- Informationen sachlich und in ruhiger Atmosphäre vortragen
- sich auf das Wesentliche beschränken
- aktives, aufmerksames Zuhören
- Übertreibungen vermeiden (z.B. „Nie passt du auf!“, „Immer stellt du deinen Roller in die Einfahrt!“


Arbeitsaufträge:

- Jeder liest den Text für sich.
- Gemeinsam erfolgt eine Aufteilung der Aufgaben mit Hilfe der Gruppenkar-ten
- Beantwortet gemeinsam folgende Frage:

    Wie lassen sich diese Informationen auf unser Fallbeispiel übertragen?

Mögliche Ergebnissicherung:

Bei Konflikten in der Firma ist es hilfreich …
          
Sündenbock    Vater unser    Offene Lösung
        
Die Schuld nicht auf einen Einzelnen abzu-laden    Vergeben zu können    Respektvoll miteinander umzugehen
        
Nicht nachtragend zu sein    Andere gut zu behan-deln    Sachliche Gespräche zu führen

Zu überlegen, was ich selbst zur Konfliktbe-wälti¬gung beitragen kann    

Von der betrieblichen Situation kann man sehr schnell den Zusammenhang zu heutigen weltpolitischen Konflikten herstellen: Krieg in der Ukraine, der Konflikt zwischen Israel und Palästina.

Ein Blick zurück in die Geschichte kann hier weiterhelfen: Wie wurden andere große Konflikte gelöst?
Wir feiern in diesem Jahr den 375en Jahrestag des Westfälischen Friedens, der den 30-jährigen Krieg von 1618-1648 beendete. Zwei Drittel der Bevölke-rung Europas sind durch kriegerische Handlungen, hygienische Probleme oder durch Hunger dahingerafft worden.

Was waren die Schlüssel zum Frieden?

-    Beide Seiten hatten den Eindruck, dass sie den Krieg nicht mehr gewin-nen können.
-    Es wurden über zwei Jahre Rahmenbedingungen verhandelt, unter de-nen Friedensverhandlungen stattfinden können. (ins Gespräch kom¬men)
-    Es wurde ein Neuanfang bzw. Schlussstrich festgelegt. Es gab keine überzogenen Reparationen oder Ausgleichszahlungen, damit beide Seiden ihr Gesicht wahren konnten. (Respekt, nicht nachtragend sein, keine Rache)

Das sind auch die Erkenntnisse und Methoden der modernen Konfliktfor-schung, wie sie z.B. bei der Beendigung des kolumbianischen Bürgerkrieges zwischen der kolumbianischen Regierung und der FARC eingesetzt wurden. Der Krieg dauerte 50 Jahre. 400000 Menschen sind gestorben, 120000 Men-schen werden heute noch vermisst. Nach jahrelangen Verhandlungen sollte unter Vermittlung und Moderation von Kuba und Finnland jede Seite eine Siegeserklärung für die Gegenseite formulieren, die die eigenen Mitglieder als gerecht empfinden können.

Richtig verstanden beschäftigt sich Religion schon seit Jahrtausenden mit 
Moral. Moral spiegelt die Werte wider, die in einer Gesellschaft gelebt wer¬den.
Gerade die Sündenbock Geschichte ist den 3 abrahamitischen Religio¬nen Ju-dentum, Christentum und Islam bekannt und könnte beim Palästina Konflikt einen Weg zu Lösung beschreiben, indem man darauf verzichtet, nachtragend zu sein, sondern bereit ist, einen Schlussstrich ziehen.
Ein Gebet, wie das Vater unser, nicht nur als Lippenbekenntnis mitgespro-chen, sondern wirklich von innerer Überzeugung getragen, kann Frieden stif-ten.
Auch die Goldene Regel „Liebe deinen Nächsten, so wie du selbst geliebt werden willst“ stammt aus dem Buch Levitikus und ist sicherlich auch ein Schlüssel für das Kommunikationsmodell in der Offenen Lösung. 

Bei der Lösung von Konflikten muss man sich die Frage stellen, ob man Ra-che, Vergeltung und Krieg will oder ob Barmherzigkeit, Vergebung und Frie-den die tragenden Werte sein sollen.

In der Beschäftigung mit diesen Fragen kann der Religionsunterricht am Be-rufskolleg ausgehend von einer beruflichen Situation einen wichtigen Beitrag zur Einschätzung und Lösung von Konflikten im Kleinen wie im Großen leis-ten.

Ein Beitrag der Ökumenischen Fachschaft Religion

Herr Repöhler

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